15 Jahre Parasitenpresse

In diesem Jahr feiert die Parasitenpresse aus Köln ihren 15. Geburtstag. Seit dem Jahr 2000 gibt der kleine Verlag neue deutschsprachige Lyrik in gehefteten Büchern, die in der Regel einen Umfang von 14 Seiten haben, heraus. Am 23.11.2015 wird im Kölner Literaturhaus gratuliert. Ich habe mit dem Gründer, Adrian Kasnitz, gesprochen.
 

Du betreibst jetzt seit 15 Jahren den Verlag „Parasitenpresse“. Wie ich finde, eine beachtliche Zeit für einen kleinen Lyrik-Verlag. Was ist dein Erfolgsrezept?

 
kasnitz by skiba
Adrian Kasnitz / Foto: Dirk Skiba
Erfolg ist ein schwieriges Konzept. Wie misst man literarischen Erfolg? An Auflagenhöhe? An Rendite? Dann sind wir sicherlich unerfolgreich. Erfolgreich waren die 15 Jahre, weil wir über 50 Bücher herausgegeben und einige junge Autor/innen ins literarische Gespräch gebracht haben. Auf finanziellen Erfolg ist das Projekt aber nicht angelegt.
 

Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Lyrik-Verlag zu gründen? Was treibt dich an?

 

Als ich Mitte 20 war, habe ich in Zeitschriften veröffentlicht. Über diesen Weg habe ich viele gleichaltrige Dichter/innen kennengelernt, die das gleiche Problem hatten: Sie schrieben gute, sehr gute Texte, sie veröffentlichten einzelne Texte in Zeitschriften und traten damit auch auf. Sie waren alle auf ihre Weise ambitioniert. Aber der nächste Schritt wollte einfach nicht folgen, weil es damals für junge Dichter/innen überhaupt keinen Verlag gab, der etwas verlegen wollte. Also gründeten wir selbst einen, der eher wie ein Label funktioniert. Jetzt, nach 15 Jahren, ist der Verlag natürlich mitgewachsen, es gibt noch immer Autoren dieser Anfangsgeneration. Aber wir wollen auch immer wieder neue Stimmen entdecken.

 

Dein Verlag sitzt ja in Köln. Wie sieht das mit den Autoren aus, kommen die vorwiegend aus dem Kölner Raum?

 

Das ist sehr unterschiedlich. Die Lyrikszene spielt ja hauptsächlich an anderen Orten, in Berlin, Leipzig, Wien. In Köln und NRW leben aber auch viele Autor/innen, allerdings nicht als Szene verdichtet, sondern häufig über das Land verstreut. Letztendlich spielt aber die Herkunft, der Ort keine Rolle, wenn wir uns für einen Text entscheiden.

 

Welche Schwerpunkte setzt du in deinem Verlagsprogramm?

 

Die Schwerpunkte liegen eindeutig auf jüngeren Autor/innen, auf junger, urbaner Lyrik. Daneben interessieren uns aber auch Texte, die schwer als Genre zu fassen sind, Prosagedichte, Listen, Kurzprosa. Ein weiterer Punkt ist internationale Lyrik aus Lateinamerika und den Benelux-Ländern.

 

Wenn man sich den heutigen Literaturbetrieb anschaut, findet man so gut wie nur Prosa. Sollten wieder mehr Gedichte gelesen werden? Wenn ja, warum?

 

Unbedingt! Lyrik passt eigentlich viel besser zu unserem Lebenstil der Kurzmitteilung und reduzierten Aufmerksamkeit. Bei Lyrik reicht es schon, eine Seite zu lesen, und der Tag ist gerettet! Gedichte sind nicht immer einfach zu knacken, sie bieten aber meistens mehrere Lesarten, mehrere Ebenen an. Sie sind oft ironisch und lieben die Sprache. Bei 700-Seiten-Schmökern muss ich immer sofort gähnen.

 

José villa

 

Was war dein Literatur-Highlight in diesem Jahr?

 

Aus dem eigenen Programm sind das gerade Gedichte des argentinischen Dichters José Villa. In ‚Füllhorn‘, das Léonce W. Lupette übersetzt hat, breitet er eine Einkaufstüte voller Früchte aus und zu jedem Obst schreibt er Gedichte, in die sich Wahrnehmung, Zeit, Erinnerung einritzen.

 

Aus anderen Verlagen war das z.B. das Buch ‚Ich Dylan Ich‘ von Peter Wawerzinek und Schoko Casana Rosso, erschienen in der Berliner Corvinus Presse. Darin macht sich der Schriftsteller Wawerzinek auf Spurensuche, Spuren, die sein literarisches Vorbild Dylan Thomas tatsächlich (in Büchern oder im Museum zu finden) und in dem Schriftsteller hinterlässt.

 

Vielen Dank für das Interview!

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