Das hündische Herz

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125 Jahre wäre der in der heutigen Ukraine geborene Schriftsteller Michail Bulgakow dieses Jahr alt geworden. Natürlich ist es auch für einen Menschen bei bester Gesundheit ziemlich unwahrscheinlich, so alt zu werden. Gewünscht hätte man es diesem Mann jedoch. Denn Zeit seines Lebens erhielt Bulgakow nicht die Anerkennung, die er verdient hätte. Ab 1930 wurden seine Werke in der Sowjetunion nicht mehr veröffentlicht. Er starb 1940. Sein wohl bekanntestes Stück „Der Meister und Margarita“, eine Art grotesker russischer Faust, wurde erst 1966/67,  also fast 30 Jahre nach Bulgakows Tod, gedruckt – als ungekürztes Buch sogar erst 1973.
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Bei der Büchergilde ist kürzlich eine illustrierte Ausgabe von Bulgakows „Das hündische Herz“ erschienen. Es ist kein Wunder, dass der Roman in der damaligen Sowjetunion nicht veröffentlicht werden sollte, denn sie parodiert in grotesker Weise die Idee des „Neuen Menschen“, den der Kommunismus hervorbringen sollte. Dieser neue Mensch, den wir im Roman finden, ist jedoch nicht zu ebensolchen durch Erziehung oder sein Umfeld geworden, sondern künstlich dazu gemacht. Der Chirurg Filipp Filippowitsch transplantiert einem Straßenhund, mit Namen Lumpi, die Hirnanhangdrüse und den Hoden eines Kriminellen ein. Doch dieser neue Mensch wird nicht zum Prototypen des Kommunisten, sondern zum gewissenlosen Schurken und zur Gefahr für die ganze Gesellschaft. Mit dem hündischen Herz schuf Bulgakow nicht nur eine großartige Satire auf die sowjetische Gesellschaft. Er persifliert auch den Fortschrittsglauben oder gar Fortschrittswahn ebendieser Gesellschaft. Die aufwändig gestaltete Ausgabe der Büchergilde enthält Collagen des Illustrators Christian Gralingen, die an die russische Avantgarde der 1920er Jahre erinnern. Eine sehr schöne Ausgabe dieses ohnehin sehr lesenswerten Buchs.

 

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Eine fürchterliche Geschichte

Michail Bulgakow
Christian Gralingen (Illustrator); Alexander Nitzberg (Übersetzer, Nachwort)

Büchergilde Gutenberg
2016

 

 

 

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