Der poetische Diplomat und die Liebe

neruda

Über Pablo Nerudas Liebesgedichte, sein Leben und sein Sterben.

Puedo escribir los versos más tristes esta
noche.
Escribir, por ejemplo: ‚La noche está estrellada,
y tiritan, azules, los astros, a lo lejos‘.

(Los veinte poemas, XX)

 

Heut nacht kann ich die trübsten, traurigsten Verse
schreiben.
Schreiben etwa: ‚Mit Sternen übersät ist das
Dunkel,
und blaugefroren zittern weit entfernte Gestirne.

(Die zwanzig Gedichte, XX)

 

12 Tage nach dem Sturz der gewählten Regierung Chiles durch den späteren Diktator Pinochet, 12 Tage nach der Ermordung des rechtmäßigen Präsidenten Chiles, Salvador Allende, 12 Tage nach dem 11. September 1973 starb Chiles größter Dichter Pablo Neruda. Eines natürlichen Todes hieß es damals. Wenige Tage später wollte er eigentlich nach Mexiko reisen, um von dort aus den Widerstand gegen die Militärdiktatur zu organisieren. Dazu kam es nicht mehr. Innerhalb weniger Stunden verstarb der Kommunist. Im letzten Jahr hat die chilenische Regierung bekannt gegeben, dass er wahrscheinlich doch ermordet wurde. Ein giftiges Bakterium war nach der Exhumierung seines Leichnams gefunden worden.

Als Ricardo Eliécer Neftalí Reyes Basoalto kam Neruda 1904 im patagonischen Parral auf die Welt. 1927 trat er in den diplomatischen Dienst seines Heimatlandes und arbeitete als Honorarkonsul in Südostasien. 1933 wurde Neruda zum Honorarkonsul in Buenos Aires ernannt, wo er den spanischen Dichter Federico García Lorca kennenlernte. Stets war er Diplomat und Dichter zugleich. Sein erstes selbstfinanziertes Buch veröffentlichte Neruda bereits 1923.

 

Salvador_Allende_y_Pablo_Neruda
Pablo Neruda (rechts) mit Salvador Allende

 

Neruda war ein durch und durch politischer Mensch, enger Vertrauter Allendes und überzeugter Kommunist. Jedoch zeigt das Werk des 1971 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten Poeten auch eine durchaus zarte Seite. Die Gedichte, die seinen Ruhm als einen der größten Dichter des 20. Jahrhunderts begründeten, waren seine Liebesgedichte. In der schmucken Ausgabe des btb-Verlages sind „Die Verse des Kapitäns“ (1952), „20 Liebesgedichte und ein Lied der Verzweiflung“ (1924) und „Der rasende Schleudere“ (1933) zusammengefasst. Alle in deutscher Übersetzung des 2008 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichneten und 2009 verstorbenen Fritz Vogelgsang und in der spanischen Originalfassung. Leider ist die Übersetzung nicht an allen Stellen gelungen, so wie etwa im oben stehenden Zitat, in dem Vogelgsang aus „versos más tristes“ „die trübsten, traurigsten Verse“ macht, was dem Rhythmus des Gedichts nicht wirklich gut tut.

 

Amiga, no te mueras.
Óyeme estas palabras que me salen ardiendo,
y que nadie diría so yo no las dijera.

Freundin, du darfst nicht sterben.
Hör sie doch an, die Worte, die mir glühend 
entquellen,
die keiner sagen würde, wenn ich sie dir nicht
sagte.

Nichtsdestotrotz ist „Liebesgedichte“ ein wunderschönes Buch, auch äußerlich übrigens. Die intensive, gefühlvolle Sprache Nerudas hat mit den Jahren keineswegs an Wirkung verloren und das, obwohl sie zum Teil aus der Feder eines gerade einmal Zwanzigjährigen stammten.

>>>Mehr über Pablo Neruda

 

 

Gesprochene Worte von und über Neruda aus dem Archiv des PEN America

1 Kommentar zu “Der poetische Diplomat und die Liebe

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