Für ein Dutzend Eier

David Benioff: Stadt der Diebe

„Mein Großvater, der Messerstecher, tötete zwei Deutsche, bevor er achtzehn war.“ So beginnt der Roman „Stadt der Diebe“, in dem ein fiktiver Großvater seinem ebenso fiktiven Enkel, der jedoch den gleichen Namen wie der Autor des Buches trägt, seine Geschichte aus der Zeit des Einmarsches der Deutschen in Russland erzählt.

Leningrad, von seinen Einwohnern liebevoll Piter genannt, im Winter 1942. Die Stadt ist von den Nazis belagert, die Bevölkerung wird ausgehungert. Der 17jährige Lew wird eines Nachts als vermeintlicher Plünderer verhaftet und trifft im Leningrader Gefängnis Kresty den großgewachsenen blonden Rotarmisten Kolja, welcher beschuldigt wird, Deserteur zu sein. Die beiden Zellengenossen verbringen jedoch nur eine Nacht im Kerker und werden nicht, wie sie selbst angenommen haben, am nächsten Morgen exekutiert, sondern vom Oberst des Geheimdienstes NKWD freigelassen. Jedoch unter der Bedingung, ihm für die Hochzeitstorte seiner Tochter ein Dutzend Eier zu beschaffen. Eine geradezu unmögliche Aufgabe im belagerten Leningrad. Und so beginnt das gemeinsame Abenteuer des ungleichen Paares.

Mit „Stadt der Diebe“ hat David Benioff einen klassischen Abenteuerroman erschaffen, dessen Handlung beziehungsweise deren Ausgang zwar größtenteils vorhersehbar ist, die sich jedoch trotzdem so liest, wie sich ein kühles Bier im August trinken lässt, und das Herz erwärmt wie ein heißer Tee im Dezember. Trotz allen Widrigkeiten des Krieges, der Belagerung und des Hungers, der manche Einwohner bis zum Kannibalismus treibt, hat die Geschichte Witz und die Protagonisten behalten ihren Humor. Und natürlich gibt es ein Happy End. Nicht umsonst ist Benioff so erfolgreich als Hollywood-Autor.

stadtderdiebe

  • David Benioff: Stadt der Diebe
  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (3. Mai 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453407156
  • 9,95 €
  • Originaltitel: City of Thieves

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