Hinter der Hipster-Maske

Vielleicht sind sie die erste Subkultur des 21. Jahrhunderts, wenn man sie überhaupt als solche bezeichnen kann: die Hipster. Der Begriff Hipster ist eigentlich schon viel älter und bezeichnet eine Subkultur der 1940er Jahre in den USA. Heute steht das Wort Hipster für Angehörige einer Szene, die sich vor allen Dingen über Ästhetik und Mode definiert. Die Fotografin Vero Bielinski hat sich intensiv mit dieser Subkultur beschäftigt. Dabei ist eine ganze Reihe ausdrucksstarker Portraits in Brooklyn, der Wiege des Hipstertums, entstanden.

 

 

Wohl kein Hipster würde sich selbst als Hipster bezeichnen. Vielerorts hat das Wort einen abwertenden Nachgeschmack, ist eher Beleidigung als Adelung. Bei denen, die wir als Hipster bezeichnen, handelt es sich nicht um eine auch nur ansatzweise homogene Gruppe von Menschen, so wie es bei anderen Subkulturen meist der Fall ist. Vielmehr ist der Hipster ein menschgewordener Ausdruck des Strebens nach Individualität im urbanen Raum. Und eben dieses Streben resultiert aus der Angst vor dem Untergehen in der Masse. Vielleicht ist das eine gewagte These, aber es lassen sich keine gemeinsamen Interessen, wie eine bestimmte Musikrichtung, erkennen. Auch gilt der Hipster als unpolitisch. Was ihn ausmacht, ist die Bemühung darum, sich selbst in Szene zu setzen und sich öffentlich zu präsentieren. Mark Greif erklärt den Hipster in seinem Buch Hipster. Eine transatlantische Diskussion: „Der Hipster zeigt uns, was mit Eliten im Allgemeinen und der weißen Mittelschicht im Speziellen passieren kann, wenn sie ihre ach so kontroverse und mutige Rebellion nur noch in Bereichen austragen, die ihr eigenes Vergnügen und ihren Komfort betreffen.“ In Großstädten wie New York oder auch Berlin schlägt dem Hipster zum Teil blanker Hass entgegen. Er gilt als oberflächlich, konsumorientiert und vor allem als Vorbote der Gentrifizierung.

Die Wiege des Hipstertums

Der Geburtsort des modernen Hipsters ist der New Yorker Stadtteil Brooklyn Williamsburg. Dieses ehemals vor allem von seinen vorwiegend jüdischen Einwohnern geprägte Viertel entwickelte sich in kurzer Zeit zum Trend- und Künstlerviertel. Williamsburg galt früher zwar als teilweise gefährlich, jedoch fanden junge Kreative hier große Fabriklofts zu bezahlbaren Preisen. Auf den Zuzug von Künstlern und Kunstaffinen folgte unweigerlich die Veredelung des Viertels und damit höhere Mietpreise. Als Konsequenz zieht die Kreativszene weiter nach Brooklyn Bushwick. Wie sich Brooklyn mit den Hipstern verändert hat, lässt sich gut in der Fotoserie Brooklyn Changing erkennen.

Zeitdokumente einer einprägsamen Subkultur

Die Frankfurter Fotografin Vero Bielinski hat in ihrem Buch Brooklyn Hipsters den Höhepunkt des Hipstertums 2012/13 in New York eingefangen. Zu sehen sind großartige Portraits junger Menschen, die Mode als Ausdrucksmittel wählen, „sich von Gewohnten zu lösen, ausbrechen zu wollen und sich selbst zu verwirklichen.“ Die eigene Unsicherheit, die teilweise in den Bildern erkennbar wird, überdecken die Portraitierten mit ihrer ausgefallenen Art sich zu kleiden, sich ständig zu aktualisieren. Mit dem Fokus auf die Kleidung, die Körperhaltung, Gestik und das Umfeld versucht sie, die Menschen hinter dem Hipster-Outfit zu zeigen.

 

brooklyn-hipsters-bielinskiVero Bielinski: Brooklyn Hipsters

Kerber Verlag, Dezember 2015
ISBN 978-3-7356-0177-3
144 Seiten
62 farbige und 15 s/w Abbildungen
29,95 €

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