Interview

Auf ein Wort mit Deborah Feldman

Interview mit Deborah Feldman zu ihrem Roman „Unorthodox“

MBothor_Feldman2Deborah Feldman wurde 1986 in New York geboren und wuchs mitten in Brooklyn Williamsburg in der chassidischen Satmar- Gemeinde, einer ultraorthodoxen jüdischen Sekte, auf. In ihrem gerade auf Deutsch erschienenen Roman Unorthodox. Eine autobiografische Erzählung berichtet sie von ihrem chassidischen Leben und wie sie diesem entkam. Heute lebt sie zusammen mit ihrem Sohn in Berlin. Meine Besprechung zum Buch ist auf Fixpoetry erschienen.

 

Deborah, Du bist in der ultraorthodoxen Gemeinde der Satmarer aufgewachsen. Wer sind die Satmarer?

 

Sie waren mal eine kleine Gemeinde in einem Städtchen in Transylvanien, haben sich aber nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Sekte gewandelt, weil sie glaubten der Holocaust sei eine Strafe für die Assimilierung der europäischen Juden gewesen. Darauf basierend haben sie ein sehr strenges Regelwerk aufgestellt, um den Zorn Gottes zu besänftigen und eine Wiederholung der Strafe zu vermeiden.

 

Als Außenstehender kann man sich das Leben in einer solchen abgeschotteten Gemeinde kaum vorstellen – und das mitten in New York. Wie war es als Chasside in Brooklyn zu leben?

 

Mir war klar, dass die amerikanische Gesellschaft für mich unerreichbar sein würde, und das war besonders schmerzhaft für mich, weil ich wusste, dass es da draußen mannigfaltige Möglichkeiten gab sein Leben zu gestalten, und ich hatte nur eine.

 

Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

 

Erst bin ich zum Lesen gekommen. Dann ist mir später klar geworden, dass ich auch viel zu erzählen hatte, und ich habe mit einem anonymen Blog angefangen. Dies hat dann dazu geführt, dass meine Arbeit veröffentlicht wurde.

 

Wie ist Deine Familie auf dich zu sprechen? Hast Du noch Kontakte zu Verwandten oder Gemeindemitgliedern?

 

Ich habe heute keinerlei Kontakt zu meiner Familie oder zu jemandem aus der Gemeinschaft. Das ist wahrscheinlich aber auch gut, weil mit Leuten, die dir den Tod wünschen, sollte man auch lieber kein Kontakt haben

 

Seit über einem Jahr lebst Du in Berlin. Wie ist es dazu gekommen, warum gerade Berlin?  

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Das ist eine lange Geschichte. Diese Entscheidung, hierher zu ziehen, hat sich sehr langsam entwickelt. Ich habe Berlin erst mehrmals besucht, mich allmählich in die Stadt verliebt ohne es wirklich zu bemerken: Dann irgendwann bin ich ins Flugzeug eingestiegen, um zurück nach Amerika zu fliegen und habe so ein Art Offenbarung erlebt: ich saß am Fenster, guckte wie die Stadt unter mir verschwindet, und habe mich plötzlich hinterfragt, wieso gehe ich eigentlich zurück, wenn es doch so klar ist, dass ich mich hier mehr zuhause fühle als da? Dann bin ich in New York angekommen, meine Sachen gepackt, und so schnell wie möglich zurück zu meiner neuen Liebe. Übrigens, ich finde sie immer noch nicht langweilig.

 

Wie geht es literarisch bei Dir weiter? Arbeitest Du an einem neuen Buch?

 

Ich arbeite immer, an Büchern, an anderen Projekten… Berlin bietet die perfekte Atmosphäre um kreativ arbeiten zu können.

 

Vielen Dank! 

 

Deborah Feldman
Unorthodox – Eine autobiographische Erzählung

Aus dem amerikanischen Englisch von Christian Ruzicska
Secession Verlag für Literatur, Zürich
270 Seiten, 20 Euro

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