Zum 60. Todestag von Bertolt Brecht

Ein paar Gedanken zum Epischen Theater

brecht

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ – aus „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“

Am heutigen Sonntag jährt sich Bertolt Brechts Todestag zum sechzigsten Mal. Für manche sind seine Werke wohl notwendiges Übel im gymnasialen Leistungskurs Deutsch oder im Germanistik-Studium. Doch seine Gedichte und Stücke sind heute noch so aktuell wie damals. Prägend ist aber nicht nur die Botschaft seiner Werke, also das „Was“, sondern auch das „Wie“, womit ich auf seine Schöpfung des Epischen Theaters zu sprechen kommen möchte. 

1926 prägte Brecht den Begriff des Epischen Theaters in Abgrenzung zum herkömmlichen aristotelischen Theater. Seine Intention war es, dem Zuschauer durch ein Theaterstück nicht eine Realität vorzuspielen, sondern das Publikum zu Beobachtern zu machen, welche die Situation reflektieren und die Veränderbarkeit erkennen, während des Geschehens nach Lösungen suchen. Um dies zu erreichen, entwickelte Brecht eine Vielzahl an Effekten und Besonderheiten in der Darstellungsweise der Schauspieler, dem Bühnenaufbau, der Beleuchtung etc. Die Intention, welche das Epische Theater verfolgt, ist es, den Zuschauer zu einem kritischen, die Gesellschaft studierenden Menschen zu machen, der erkennt, dass die Realität änderbar ist und im besten Fall Missstände ändert.

„Es ist nicht genug verlangt, wenn man vom Theater nur Erkenntnisse, aufschlußreiche Abbilder der Wirklichkeit verlangt. Unser Theater muß die Lust am Erkennen erregen, den Spaß an der Veränderung der Wirklichkeit organisieren.“

Das Epische Theater beabsichtigt nicht, Realitäten vorzuspielen. Der Zuschauer soll nicht den Eindruck gewinnen, das Gezeigte, spiele sich einmalig und zum ersten Male ab. Er soll sich bewusst sein in der Tatsache, im Theater zu sitzen und dadurch, dass er das Gezeigte distanziert kritisch beobachten u d hinterfragen kann, sich eine eigene Meinung zu den Umständen des Stückes bilden. Die Illusion, einer realen Handlung beizuwohnen, wird ihm durch verschiedene Effekte und Schauspieltechniken genommen. Aber durch die Dekoration der Bühne und der Beleuchtung eben dieser wird dieser Effekt mithervorgerufen.

Die Beleuchtung, sowie die Sichtbarkeit der Lichtquellen, bewirkt das Neutralisieren der Neigung des Zuschauers, sich in eine Illusion zu begeben. Eine Verdunklung des Zuschauerraums hätte zur Folge, dass der Betrachter sein Nebenmann nicht sähe, was ebenfalls die Illusionsneigung bestärkt. Das offene Zeigen der Lichtapparatur verdeutlicht dem Publikum, einem nichtspontanen, eingeprobten Vorgang beizuwohnen. Er sieht, dass hier etwas Einstudiertes, Wiederholbares gezeigt wird.

Das Lied erfüllt die Aufgabe, vorher Geschehenes zu reflektieren und zu kommentieren. Keinesfalls soll es zur Stimmungshebung dienen. Der Einsatz von Musik ist auch nicht als bloße Untermalung der Handlung zu sehen. Gleichzeitig wird mit den Songs den Schauspielern die Chance gegeben, aus deren Rollen zu treten und eine gewisse Distanz zum gespielten Charakter aufzubauen. Durch das Singen wechselt der Schauspieler seine Funktion.

Die filmische Umsetzung von Brechts Epischen Theater „Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?“ kann man sich heute sogar auf Youtube anschauen.

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